Leben und Wirken des Kurt Tucholsky.

Leben und Wirken des Kurt Tucholsky.

Der Lärm ihres täglichen Lebens, den sie nicht mehr hörten, den die Nerven aber doch zu überwinden hatten, der eine bestimmte Menge Lebensenergie wegnahm, ohne daß man es merkte.“
(Kurt Tucholsky)

Kurt Tucholsky, der bekannteste Satiriker und Publizist der Weimarer Republik, geboren am 9. Januar 1890 inmitten der goldenen Ära des Deutschen Reiches, Sohn eines erfolgreichen Geschäftsmannes, wuchs wohlbehütet im jüdischen Bürgertum des Berliner 19ten Jahrhunderts auf. Tucholsky studierte Jura in Berlin, praktizierte jedoch nie in dieser Disziplin.

Liest man den als Hohn auf Kaiser Wilhelm II. verfaßten Text „Märchen“, den Tucholsky mit siebzehn Jahren 1907 in der Wochenzeitschrift Ulk veröffentlichte, so könne man auf die Idee kommen, Tucholsky sei ein durch die preußische Art des Deutschen Reichs Verfolgter gewesen. Dem war wohl nicht so, das Reich war streng, aber es war Kritik, Kunst und Wissenschaft gegenüber offen und modern.

Der Krieg ab 1914 prägte ihn stark in seinem Pazifismus. Er brüstete sich, nie ein Gewehr abgefeuert zu haben, er ließ das ihm überlassene „Schießgewehr“ eigener Aussagen nach an eine Hütte gelehnt stehen. „Es gehe auch ohne Gewehr.“ Kurt Tucholsky hat sich erst nach dem Putsch der Sozialisten 1918 als „scharfer Hund“ einen Namen gemacht. Als einer der bestbezahlten Journalisten, Schriftsteller und Publizisten hat sich der sich selbst als Pazifist und Demokrat bezeichnende Tucholsky durch fast alle Genres der schreibenden Zunft durchgeschrieben. Glossen, Artikel, Berichte und Romane, jedoch am liebsten politische Satire in wohlgeformten Stil waren seine Werke. Ab 1913 zog Tucholsky es vor, auch unter Pseudonymen zu schreiben. Diese waren Theobald Tiger, Peter Panther, Ignaz Wrobel sowie Kaspar Hauser. Für seine Erfolge zur Zeit des Deutschen Reiches, Kriegsanleihen zu bewerben, wurde Tucholsky mit einer Medaille ausgezeichnet. Nach dem Krieg ließ sich Tucholsky evangelisch taufen. Nach dem Putsch des Reiches durch die Linken avancierte Tucholsky zur Stimme der deutschen Linken, der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USDP). Mit Auflösung derselben 1922 und dem Beitritt zur Sozialdemokratischen Partei (SPD) erwies er sich als Unterstützer und Befürworter republikanischer Werte. Gleichzeitig übte er scharfe Kritik an den sozialdemokratischen Führern der neuen Republik, die 1919 die paramilitärischen, protofaschistischen Freikorps zur Unterdrückung linker Streiks und Aufstände aufriefen.

1924 hatte Tucholsky in Paris eine Stelle als Kulturkorrespondent. Diese Stelle ging er zu Beginn mit großem Elan an, erkannte jedoch rasch, daß die Richtung, die eingeschlagen wurde, auch in Frankreich Antisemitismus aufkeimen ließ und faschistische Züge entwickelte. Wieder zurück in der Weimarer Republik übernahm der berühmte Publizist die Herausgeberschaft der „Weltbühne“, seiner schriftstellerischen Wiege.

Sein Stil aus auf den Punkt gebrachten Spitzen und seinen subjektiven Kommentaren stieß bei den aufkommenden Nationalsozialisten auf Unverständnis. Tucholsky dagegen empfand Satire als unbestechliches Instrument, die Wahrheit zu offenbaren, die hinter jedweder gearteten Ideologie steckt.

Im März 1919 wurde Tucholsky kritisiert, daß er sich nicht zurückhielt, bis das neue demokratische Regime Zeit hatte, sich zu stabilisieren. Hierauf veröffentlichte Tucholsky die Antwort, „Wir Negativen“ (1919), in welcher er behauptete, daß es absolut nichts Lobenswertes an Deutschlands Revolution, seiner Bourgeoisie, seinem Offizierskorps oder seinem öffentlichen Dienst gab.

1929 ging Tucholsky erneut nach Paris, 1930 zog es ihn weiter nach Schweden ins Exil. Auf der Ausbürgerungsliste der Hitlerdiktatur fand Kurt Tucholsky sich als Staatsfeind an oberster Stelle. So seiner Wurzeln entrissen, ohne Heimat und verzweifelt ob dessen, was sein Deutschland einst war, erfolglos im Kampf gegen den Untergang und angesichts der Diktatur der Nationalsozialisten, wählte Kurt Tucholsky den Freitod durch eine Überdosis an Tabletten.

[AG]